Management

Smile and Burn

Synopsis
 SMILE AND BURN sind das klassische Beispiel von „sich hochspielen“: 8 Jahre, nunmehr 4 Alben und 269 Konzerte, immer ein paar zahlende Besucher mehr, nie zu sehr kompromittieren lassen und wenn es sein muss, auch mal den Umweg gehen.
Text
Wenn man sie fragt, wer auf die Ideen für ihre Videos kommt, die im Internet Kultstatus besitzen, wer ihnen 2015 die Touren nach Japan und England organisiert hat oder wer auf ihren Social Media Plattformen einen Gassenhauer nach dem andere raushaut, ist die Antwort immer die gleiche:

„Na wir selbst, wer sonst?!“

Sorgten ihre beiden Erstlingswerke „Flight Attempt Of The Kiwi“(2010) und „We Didn`t Even Fight Yet“ (2012) für erste Jubelrufe in der deutschen Punkrock-Szene, so katapultierte sie spätestens „Action Action“ 2014 auf den Radar auch größerer Medien. Bei einer derartigen Dichte an hittigen Songs, einer unverwechselbaren Berlinerischen Rotzigkeit und workoutartigen Live-Show war es nur eine Frage der Zeit, bis sich der einzigartige Ruf der Band herumsprechen würde. Es folgen Festivalauftritte vom Deichbrand bis Pfingst Open Air sowie die Einladung, die Donots im Rahmen ihrer Karacho-Tour zu begleiten.

Für das neue, nunmehr 4. Album setzte man sich zusammen mit Produzent Philipp Koch den einprägsamen Satz ihres Bookers Alex Merkes (Chimperator Live) zur Maxime: „Ihr seid nicht perfekt auf der Bühne, aber ihr tretet einfach derbe durch den Tisch.“ Rohe, ungezügelte Live-Performance, ohne Absprache oder Choreo und mit zwei Händen voller Wut das Parkett betreten, das sollte auf Vinyl gepresst werden. So klingt „Get Better Get Worse“ roher, aber gleichzeitig organsicher und vielschichtiger als die Platten zuvor.

Aus der Vielzahl der mitreißenden Songs sticht die erste Single „Good Enough“ besonders heraus, beweist der Track doch, dass die Band bei aller Rotzigkeit auch die poppige Geste beherrscht – frei von Klischees.
Der Song ist eine emotionale Introspektion, die sich mit den eigenen Unzulänglichkeiten beschäftigt: Der fehlende Erfolg, das Verfehlen der Ziele, der Fehler im System.
Am Ende bleibt allerdings das halb hoffnungsvolle, halb verzweifelte Einreden: „I am fine for now“.

Überhaupt vermeiden die Texte jene totale Überfrachtung, an der englischsprachige Musik aus Deutschland stets so schrecklich krankt. Smile And Burn haben stets bewiesen, dass ihr sprachlicher Horizont nicht in Hellersdorf endet. Das brachte ihnen schnell den Ruf ein, „the one band from Germany, that doesn’t suck“ zu sein (zumindest wenn man einem angeheiterten Fan von Moose Blood glauben darf, mit denen SAB ihre komplette England-Tour 2015 absolvierten).

Obwohl wegen ihrer Berliner Herkunft Vergleiche mit den lokalen Hausmeistern Beatsteaks zur Tagesordnung gehören, haben sich Smile And Burn einen sehr eigenen, auch inhaltlich wuchtigen Anstrich verliehen. Bereits der wütende Album-Opener „Not Happy“ setzt sich mit einfachen und präzisen Mitteln dem unbedingten Geltungsbedürfnis der Menschen in den sozialen Medien auseinander, was demokratische Kultur oft mit der Unfähigkeit einfach mal inne zu halten verwechselt. Die perverse Jagd um jedwede Deutungshoheit mündet schließlich in die Zeile: „Too few crowns for too many kings.“

Zu guter Letzt drückt auch das Äußere der Platte den Daumen in die Wunde des Zeitgeistes: Ein unperfektes, aber lautes Gekritzel, fett mit Edding zu Papier gebracht, verwirrende Kollagen, deren Inhalt kaum eine Deutung zulassen. Am Ende des Tages zählt doch nur eins:

Das es einen irgendwie trifft.
Info
GENERAL REQUESTS: NIKO PRADE